Aktionstag Stadtmauer - 22. April 2017

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Foto: Brigitte Samhaber

Die Stadtmauern besser kennenlernen – das ist das Ziel des Aktionstages Stadtmauer, der heuer zum 4. Mal von den NÖ Stadtmauerstädten veranstaltet wurde und sich mit einem vielfältigen Programm an Einheimische und Gäste gleichermaßen richtete. Zahlreiche BesucherInnen folgten trotz unfreundlichen Wetters der Einladung und erlebten interessante Stadtführungen, spannende Rätselrallyes oder informative Ausstellungen.

In Drosendorf spazierte eine interessierte Gruppe mit dem Bauhistoriker MMag. Ronald Woldron an der Sommer- und Winterpromenade die Stadtmauer entlang. Der geschätzte Fachmann für historische Mauern lüftete so manches Geheimnis der Drosendorfer Verteidigungsanlagen und gab in sehr lebendiger Art Einblick in das Leben innerhalb der mittelalterlichen Stadt.

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Der Aktionstag Stadtmauer bot in Eggenburg die Gelegenheit, durch eine Jubiläumsstadtführung auf die 10-jährige Zusammenarbeit der Stadtgemeinde mit den NÖ Stadtmauerstädten aufmerksam zu machen. Die Stadtführer und Stadtführerinnen, seit 2007 ein gewohnter Anblick in Eggenburg, führten diesmal über 30 Gäste aus Nah und Fern gemeinsam zu den Sehenswürdigkeiten Eggenburgs mit besonderem Augenmerk auf die mittelalterliche Stadtmauer. Sie lösten einander bei einzelnen Stationen ab, um sich so den TeilnehmerInnen mit ihren Lieblingsthemen zu präsentieren. BesucherInnen und StadtführerInnen genossen zum Ausklang das gemütliche Beisammensein im Gewölbe eines schönen alten Hauses. Bei Einbruch der Dunkelheit entführte Nachtwächter Rudi drei Kinder und einen Erwachsenen in eine längst vergangene Zeit. Er passte sich mit einer Kinder-Nachtwächterführung innerhalb der Stadtmauern an seine Gruppe an und sah trotz Sprühregen und Temperaturen um die 8 Grad in glückliche Gesichter.

Foto: S. Satory

Foto: S. Satory

Hainburg_Aktionstag_GruppeDer Aktionstag in Hainburg an der Donau war einem speziellen Thema – „Der 2. Weltkrieg in und um Hainburg an der Donau“ gewidmet. Trotz schlechten Wetters folgten über 20 Personen der Einladung und erhielten Einblick in die damalige schwere Zeit in der Stadt Hainburg. Die Stadtführer informierten die BesucherInnen über die Wehrmachts- und Kriegseinrichtungen in und um Hainburg, insbesondere am Spitzerberg, über die Verkehrsverbindungen und die Straßenumbenennungen. Anhand von Bildern wurden die Zerstörungen in der Stadt – etwa am Bahndamm – gezeigt.

In Waidhofen an der Thaya war das prachtvolle Rathaus Ausgangspunkt der Stadtführung. Das Interesse und die Begeisterung der Gäste waren sehr groß. Nach einer umfassenden Führung durch Waidhofen an der Thaya und entlang der Stadtmauer mit allen Sehenswürdigkeiten und Highlights wurden die BesucherInnen verabschiedet, und die Veranstaltung fand einen stimmungsvollen Ausklang.

Ganz der Mode und dem Leben im Mittelalter war der Aktionstag Stadtmauerstädte in Weitra gewidmet. Anlass dafür war die Sonderausstellung im Museum Alte Textilfabrik mit dem Titel „Kleider machen Leute, Leute machen Kleider“ die an diesem Tag eröffnet wurde. Die geplante Erlebniswanderung entlang der Stadtmauer musste leider aufgrund des schlechten Wetters abgesagt werden. Dennoch machten sich am Nachmittag viele Interessierte mit dem Nachtwächter Ernest Zederbauer auf den Weg nach Brühl. Dort lud Obfrau Brigitte Temper-Samhaber ins Museum mit vielen kleinen Überraschungen. Die Wanderer wurden bereits von zahlreichen geladenen Gästen erwartet – unter ihnen auch Bürgermeister Raimund Fuchs, Vizebürgermeisterin Petra Zimmermann Moser, Dr. Wolfgang Katzenschlager, Prof. Herbert Knittler und Prof. Albert Hackl. Die anschließende Eröffnung der Sonderausstellung wurde mit mittelalterlichen Gedichten, Gesängen und Klängen umrandet – diese ließen die BesucherInnen in die Welt des Mittelalters eintauchen. Einen Eindruck über die damalige Mode und ihre Herstellungsweise bekamen die Gäste beim anschließenden Rundgang durch die Ausstellung, die neben Schautafeln und Gemälden auch Werkzeuge und Kleidungstücke aus dem Mittelalter zeigt. Die Sonderausstellung „Kleider machen Leute – Leute machen Kleider“ ist noch bis 31. Oktober 2017 im Museum Alte Textilfabrik in Brühl zu sehen. Weitere Informationen finden Sie unter www.textilstrasse.at.

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Foto: Sabine Preißl

Auch in Zwettl wurde einiges geboten. Unter dem Motto „G’schichten und Kulinarisches rund um die Mauer“ fand ein stimmungsvoller Stadtrundgang statt. Erstmals präsentierte sich dabei auch die historische „AGNES“ (Elisabeth Moll), eine Frauenfigur aus dem Stammbaum der Kuenringer. „AGNES“ wird auch künftig auf Wunsch gerne Themenstadtführungen für Individualgäste und Gruppen anbieten, Reservierungen werden in der Zwettl-Info entgegengenommen. Kulinarisch wurden die „wettertapferen“ BesucherInnen im Anschluss im Alten Rathaus mit einer Kräutersuppe im Brotschüsserl verwöhnt (in Anlehnung an eine historische Rezeptvorlage).

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Die BesucherInnen der Gratis-Stadtführungen konnten neue und unbekannte Seiten der Stadtmauerstädte entdecken und gemeinsam in die Vergangenheit eintauchen. Sie zeigten sich beeindruckt von der Vielfalt des Erlebten und freuen sich auf eine Fortsetzung.

Ortskernbelebung in historischen Städten

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Unter diesem Titel lud die Kooperation der NÖ Stadtmauerstädte am 6. Oktober 2016 zu einem Vernetzungstreffen nach Eggenburg ein, um neben der Besichtigung von Best Practice-Beispielen Informationen aus erster Hand zu erhalten und Erfahrungen auszutauschen.

Seit 15 Jahren arbeiten 11 Städte im nördlichen Niederösterreich – Drosendorf, Eggenburg, Groß-Enzersdorf, Hainburg an der Donau, Horn, Laa an der Thaya, Marchegg, Retz, Waidhofen an der Thaya, Weitra und Zwettl – zusammen an gemeinsamen Aktivitäten und Projekten auf Basis des kulturhistorischen Erbes ihrer Stadtmauern. Dabei werden sie von der NÖ.Regional.GmbH betreut,  mehrere Projekte wurden von der NÖ Stadterneuerung gefördert.

Zum Vernetzungstreffen am 6.10.2016 kamen auch VertreterInnen anderer niederösterreichischer Städte mit Stadtmauern. Bürgermeister Georg Gilly begrüßte die TeilnehmerInnen im „Grätzl“, dem mittigen Gebäudekomplex am Eggenburger Hauptplatz, der ein Vorzeigebeispiel gelungener Ortskernbelebung darstellt.

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Beim anschließenden Stadtrundgang konnte man einen Blick in einige Geschäfte im „Grätzl“ werfen, und weitere historische Objekte wie das Bürgerspital und die Stadtmauer boten Beispiele für die vielfältigen Nutzungen durch kulturelle und touristische Initiativen.

Nach einer stilgerechten Stärkung mit köstlichem mittelalterlichem Eintopf ging es weiter in den wunderschönen Barocksaal im „Grätzl“. Dort präsentierte DI Margit Fiby von der NÖ.Regional.GmbH die bisherigen Aktivitäten der Stadtmauerstädte-Kooperation. Anschließend informierte Mag. Wolfgang Alfons über die Initiative Zentrumsbelebung des Landes Niederösterreich mit praktischen Beispielen und wichtigen Kriterien zum Thema. Dass die Erhaltung der baulichen Kulturgüter eine wesentliche Basis für weitere Maßnahmen darstellt, betonte DI Markus Schmoll vom Bundesdenkmalamt.

Rege diskutiert wurde im Anschluss an die Referate über die Adaptierung historischer Gebäude für aktuelle Nutzungen, wobei die Referenten die Bereitschaft der Behörden zur Unterstützung geeigneter individueller Lösungen betonten. Nach einer Führung durch die Ausstellung „Kleider machen Leute“ über Kleidung im Mittelalter machten sich die TeilnehmerInnen mit vielen interessanten Eindrücken und vielleicht auch mit neuen Ideen zur Ortskernbelebung auf den Heimweg.

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Neues Spiel - neue Chance

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Auch heuer gibt es wieder ein Gewinnspiel der NÖ Stadtmauerstädte, bei dem es Aufenthalte in einer Stadtmauerstadt nach Wahl zu gewinnen gibt:

  1. Preis: Wochenend-Aufenthalt inkl. 1 Nächtigung mit Frühstück, Mittag- und Abendessen, Stadtführung und Museumsbesuch
  2. Preis: Stadtführung, Mittag- oder Abendessen und Museumsbesuch
  3. Preis: Stadtführung und Mittag- oder Abendessen

jeweils für 2 Personen

Gewinnkarten liegen bei den Tourismusinfostellen, Museen und zahlreichen Betrieben in allen 11 Stadtmauerstädten auf.

Das Motiv auf der Vorderseite der Gewinnkarte 2017 zeigt die imposante Stadtmauer von Eggenburg, die im Rahmen von Stadtführungen und bei Veranstaltungen von der Kanzlerwiese aus begehbar ist.

Einsendeschluss ist der 31. Dezember 2017.

Lernen am guten Beispiel

Bei einer Exkursion am 28. März informierten  sich TeilnehmerInnen aus den NÖ Stadtmauerstädten über Tourismusmarketing, Zentrumsbelebung und Denkmalschutz in der geschichtsträchtigen oberösterreichischen Stadt Steyr.

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Die Gruppe begann ihr Erkundungsprogramm mit einer Präsentation der Aktivitäten in Steyr durch VertreterInnen der Stadtgemeinde, allen voran Bürgermeister Gerald Hackl, Vizebürgermeister Dr. Helmut Zöttl und Stadtrat Gunter Mayrhofer, sowie durch Tourismusdirektorin Eva Pötzl und Stadtmarketing-Leiterin Lisa-Maria Pfandl. Steyr wurde als Stadt mit bedeutsamer historischer Entwicklung vorgestellt, deren wechselhafte Geschichte architektonische Spuren hinterlassen und das Sozialgefüge stark geprägt hat. Gegründet zur Zeit der Babenberger stieg Steyr durch Handelsprivilegien und Metallverarbeitung zur reichen Stadt auf. Durch den 30jährigen Krieg verlor es später rund ein Drittel seiner Einwohner, und es folgte eine Zeit des wirtschaftlichen Stillstands. Die Industrialisierung ab dem 19. Jahrhundert brachte die Waffenproduktion nach Steyr. Nach dem 2. Weltkrieg traten Probleme wie Leerstand und Überalterung der Gebäude zutage. Allerdings erkannte man bald – angestoßen durch Privatinitiativen – den großen kulturhistorischen Wert der alten Industriegebäude und kleinteiligen Stadtstrukturen. Wirtschaftlich folgte nach dem Niedergang der Waffenindustrie eine Ansiedlung verschiedener metallverarbeitender Betriebe, die das vorhandene Potenzial an gut ausgebildeten Facharbeitskräften nutzten. Investitionen in die Infrastruktur und Anreize zur Gebäudesanierung und -erhaltung machten die Stadt schließlich zu dem von Einheimischen und BesucherInnen geschätzten Kleinod, das sie heute ist. Die ExkursionsteilnehmerInnen zeigten sich sehr beeindruckt und stellten viele Fragen, beispielsweise zum „Steyrer Panter“, dem jährlich vergebenen Anerkennungspreis für drei besonders gut gelungene Sanierungen historischer Gebäude, oder zum Stadtmarketing, das wirtschaftliche Aktivitäten in der Stadt unterstützt.

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Auf besonderes Interesse stieß der nachmittägliche Stadtspaziergang mit Ing. Thomas Bodory von der Fachabteilung für Altstadterhaltung der Stadtgemeinde Steyr. Dabei konnten sich die BesucherInnen von dem am Vormittag Gehörten selbst ein Bild machen. Der Weg führte sie über den weitläufigen langgestreckten Steyrer Hauptplatz mit seinen prächtigen historischen Hausfassaden, in mittelalterliche Innenhöfe, die durch aktuelle Nutzungen belebt werden, zum touristischen Hotspot – dem Zusammenfluss der Flüsse Steyr und Enns, durch den idyllischen Stadtteil Steyrdorf hinunter zum Wehrgraben mit seinen vorbildlich sanierten Industriebauten, sowie hinauf zum Schloss und weiter zum Stadtgraben, der als erholsame Grünfläche zur Verfügung steht.

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Mit vielen neuen Eindrücken und vielleicht auch Inspirationen zu Maßnahmen in der eigenen Stadt machten sich die ExkursionsteilnehmerInnen gegen Abend wieder auf den Heimweg.

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