Ortskernbelebung in historischen Städten

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Unter diesem Titel lud die Kooperation der NÖ Stadtmauerstädte am 6. Oktober 2016 zu einem Vernetzungstreffen nach Eggenburg ein, um neben der Besichtigung von Best Practice-Beispielen Informationen aus erster Hand zu erhalten und Erfahrungen auszutauschen.

Seit 15 Jahren arbeiten 11 Städte im nördlichen Niederösterreich – Drosendorf, Eggenburg, Groß-Enzersdorf, Hainburg an der Donau, Horn, Laa an der Thaya, Marchegg, Retz, Waidhofen an der Thaya, Weitra und Zwettl – zusammen an gemeinsamen Aktivitäten und Projekten auf Basis des kulturhistorischen Erbes ihrer Stadtmauern. Dabei werden sie von der NÖ.Regional.GmbH betreut,  mehrere Projekte wurden von der NÖ Stadterneuerung gefördert.

Zum Vernetzungstreffen am 6.10.2016 kamen auch VertreterInnen anderer niederösterreichischer Städte mit Stadtmauern. Bürgermeister Georg Gilly begrüßte die TeilnehmerInnen im „Grätzl“, dem mittigen Gebäudekomplex am Eggenburger Hauptplatz, der ein Vorzeigebeispiel gelungener Ortskernbelebung darstellt.

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Beim anschließenden Stadtrundgang konnte man einen Blick in einige Geschäfte im „Grätzl“ werfen, und weitere historische Objekte wie das Bürgerspital und die Stadtmauer boten Beispiele für die vielfältigen Nutzungen durch kulturelle und touristische Initiativen.

Nach einer stilgerechten Stärkung mit köstlichem mittelalterlichem Eintopf ging es weiter in den wunderschönen Barocksaal im „Grätzl“. Dort präsentierte DI Margit Fiby von der NÖ.Regional.GmbH die bisherigen Aktivitäten der Stadtmauerstädte-Kooperation. Anschließend informierte Mag. Wolfgang Alfons über die Initiative Zentrumsbelebung des Landes Niederösterreich mit praktischen Beispielen und wichtigen Kriterien zum Thema. Dass die Erhaltung der baulichen Kulturgüter eine wesentliche Basis für weitere Maßnahmen darstellt, betonte DI Markus Schmoll vom Bundesdenkmalamt.

Rege diskutiert wurde im Anschluss an die Referate über die Adaptierung historischer Gebäude für aktuelle Nutzungen, wobei die Referenten die Bereitschaft der Behörden zur Unterstützung geeigneter individueller Lösungen betonten. Nach einer Führung durch die Ausstellung „Kleider machen Leute“ über Kleidung im Mittelalter machten sich die TeilnehmerInnen mit vielen interessanten Eindrücken und vielleicht auch mit neuen Ideen zur Ortskernbelebung auf den Heimweg.

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Stadtführungen lebendig gestalten

Aus- und Weiterbildung für StadtführerInnen am 13.2. und 12.3.2016 in Eggenburg

 

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Wer die Stadtmauerstädte aus erster Hand kennenlernen will, kann aus einer breiten Auswahl an Stadtführungsangeboten wählen: Ob Spaziergang mit dem Nachtwächter, Stadtführung mit einem Landsknecht oder Ritterfräulein, Kinderstadtführung oder Themenstadtführung – für Abwechslung ist gesorgt, um immer neue Facetten der abwechslungsreichen Geschichte der Stadtmauerstädte zu entdecken.  Die StadtführerInnen  kennen ihre eigene Stadt in- und auswendig und geben ihr Wissen gerne an interessierte Gäste weiter. Um dies auch in spannender und fundierter Art und Weise zu tun, absolvierten 13 StadtführerInnen kürzlich einen zweitägigen Aus- und Weiterbildungslehrgang mit Dr. Franz Stürmer in Eggenburg. Der erfahrene Erwachsenenbildner zeichnete auch bereits von rund 10 Jahren für die Basisausbildung verantwortlich und stellte für den jetzigen Kurs wiederum ein umfangreiches Programm zusammen.

Sowohl erfahrene StadtführerInnen wie auch Neulinge waren unter den TeilnehmerInnen. Nach mehreren theoretischen Modulen, die sich mit der Geschichte, dem technischen Aufbau und der Stilkunde der Stadtmauern, dem Leben in einer mittelalterlichen Stadt, aber auch dem optimalen Aufbau und Ablauf einer Stadtführung beschäftigten, waren die KursteilnehmerInnen gefordert, eine Stadtführungs-Station ihrer eigenen Stadt auszuarbeiten und zu präsentieren.  Nach Verleihung des Abschlusszertifikats zeigten sich die AbsolventInnen durchwegs von dem absolvierten Programm begeistert. Die Aus- und Weiterbildungstage werden einen weiteren Schritt dazu beitragen, Stadtführungen in den Stadtmauerstädten zu einem unvergesslichen Erlebnis werden zu lassen.

RETZ - Stein um Wein

Eine Stadt im Spiegel ihrer Befestigungsanlagen
Präsentation der Stadtmauern-Broschüre am 24. Juli 2015

Die Stadtmauer von Retz mit ihren Türmen und Toren ist noch an vielen Stellen der Stadt erhalten geblieben  – teils gut sichtbar und das Stadtbild prägend, teils versteckt in stillen Winkeln privater Gärten und Gebäude. Ab dem ausgehenden 13. Jahrhundert errichtet, bot die Mauer ihren BewohnerInnen Schutz vor Feinden, heute ist sie Zeugnis der abwechslungsreichen Vergangenheit der Stadt und ihrer Umgebung.

Einer, der darüber besonders gut Bescheid weiß, ist der Bauhistoriker Mag. Ronald Woldron. Im Zuge eines Stadterneuerungs-Projektes hat er die Retzer Stadtmauer intensiv erforscht und dabei so manche neue und interessante Erkenntnisse gewonnen. Diese wurden in einer Broschüre zusammengefasst, die am 24. Juli 2015 im historischen Rathaus am Hauptplatz präsentiert wurde. Zahlreiche historisch interessierte RetzerInnen und Retzer lauschten gespannt seinen Ausführungen über die Forschungsergebnisse. So lassen etwa die Schichtungen der Mauersteine, das verwendete Baumaterial,  die Bauweise von Zinnen, Schießscharten und Fensternischen oder die verschiedensten Abänderungen im Lauf der Jahrhunderte Rückschlüsse auf die Entstehungszeit, das Leben in früheren Zeiten oder die Art und Weise der Stadtverteidigung zu.

Die ansprechend gestaltete und reich bebilderte Broschüre ist im Tourismusbüro Retz erhältlich.

Aktionstag Stadtmauer 23. April 2016

Um auf das wertvolle Kulturgut der Stadtmauern aufmerksam zu machen, boten die Stadtmauerstädte im Rahmen des Aktionstages Stadtmauer am Samstag, den 23. April 2016 um 15 Uhr Gratis-Stadtführungen für Einheimische und Gäste.

Im Mittelpunkt des Aktionstages standen die historischen Mauern, die mit ihren Türmen und Toren auch heute noch an vielen Stellen im Stadtbild sichtbar und teilweise sehr gut erhalten geblieben sind. In allen Stadtmauerstädten führen einheitlich beschilderte Rundwege durch das Stadtzentrum und zur Stadtmauer, und ein begleitender Folder liefert nähere Informationen. Bei einem geführten Rundgang wandelten die zahlreichen interessierten TeilnehmerInnen in allen 11 Stadtmauerstädten auf den Spuren der Geschichte und erfuhren mehr über das Leben in früheren Zeiten innerhalb der Mauern.

Drosendorf

Start des Spaziergangs war bei der Mariensäule. Etwa 50 Personen – hauptsächlich aus Drosendorf – fanden sich am Hauptplatz ein, wo nach einer kurzen Begrüßung durch Cordula Bösze der Historiker und Kräuterspezialist Franz Stürmer den Spaziergang mit Erläuterungen zur Pestsäule und ihrer Geschichte eröffnete. Hochinteressant an dem zweistündigen Rundgang waren nicht nur die historischen Fakten und ungewöhnlichen Ausblicke auf die Stadt und ihre Befestigung, sondern auch, ganz nebenbei, die vielen Hinweise auf essbare Kräuter, die an der Stadtmauer wachsen.

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Virtuos verstand es Franz Stürmer, den Zuhörenden zuerst die überlieferten Sagen, wie z. B. jene zum Fleischhacker-Marterl, und danach die tatsächlichen Fakten dazu näher zu bringen. Ein äußerst genussreicher Nachmittag, bei dem auch das Wetter Einsehen hatte und sich nicht an die regnerische Vorschau hielt!

Eggenburg

Heuer wurden bei der Stadtführung zum Aktionstag die Türme der ehrwürdigen Stadtmauer in den Vordergrund gerückt. Die Gelegenheit, mehr über die alte Wehranlage zu erfahren, wurde von zwanzig interessierten TeilnehmerInnen aus Eggenburg und Umgebung sowie aus Wien genutzt.

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Der Rundgang führte über den Kanzlerturm, zum Wahrsagerturm und weiter vorbei an den Rondellen der mit Efeu bewachsenen Zwingermauer zum Stadtteich und das ehemalige Egentor in den Stadtgraben. Hier machen ja Zinnen, Zwinger, Zwingermauer und Zwingertürme – Turm des Friedens, Turndl, Holturm – das Befestigungssystem des alten Eggenburgs besonders anschaulich.
In der Kremserstraße gewährte das Kontor des Schallyhauses vom Hof aus einen abschließenden raren Blick auf den Reckturm. Der „Star“ der Türme war der Wahrsagerturm mit seiner imposanten Innenausstattung, zu dem freundlicherweise Familie Metzger der Gruppe den Zutritt gewährte.
Auch die nächtliche Runde ab 19 Uhr mit dem Eggenburger Nachtwächter war gut besucht. Besonders spannend und interessant war es für die teilnehmenden Kinder, als Nachtwächter Rudolf vom Leben im Mittelalter erzählte. Die Gelegenheit, ihre neue Heimat besser kennen zu lernen benutzten auch zwei gebürtige Italiener, die sich vor kurzem hier ansiedelten, und alle genossen die wunderschönen nächtlichen Aus- und Einblicke auf Eggenburg.

Groß-Enzersdorf:

Die Kraft und die Mythen der Wildkräuter, erzählt von Johanna Mengler, sowie musikalische Klänge von Bettina Raab verzauberten bei einem ausgiebigen Rundgang um die Stadtmauer, ausgehend vom Wiener Tor, die BesucherInnen.

Hainburg an der Donau

Zur kostenlosen Stadtführung in Hainburg an der Donau wurden speziell die örtlichen Vereine und Betriebe eingeladen. Zahlreiche interessierte BesucherInnen folgten gerne der Einladung, ihre Stadt und insbesondere die großteils gut erhaltene, mächtige Hainburger Stadtmauer näher kennen zu lernen! Sie wurden vor dem Start mittelalterlich gekleidet und konnten so besonders eindrucksvoll in die Geschichte der Stadt eintauchen.

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Horn

Eine kleine, dafür aber besonders interessierte BesucherInnengruppe traf im Hof der Horner Museen ein und spazierte mit Stadtführerin durch das historische Zentrum zur Horner Stadtmauer und ihren Türmen.

 

Laa an der Thaya

In der mittelalterlichen Rauchküche im Pfarrhof konnte ein mittelalterliches Gericht mit Bierprobe verkostet werden.

Marchegg

Ein zweistündiger Wandertag rund um die Marchegger Stadtmauer und durch die Altstadt wurde von der Gemeinde organisiert und von BesucherInnen und MarcheggerInnen gleichermaßen mit Freude aufgenommen. Mehr als 60 Personen spazierten, geführt von Kulturstadtrat Karl-Heinz Klement und der Tourismusbeauftragten Uschi Steiner, entlang der fast vollständig erhaltenen Stadtmauer und vorbei an der geschichtsträchtigen Stadtkirche mit ihrer einzigartigen Architektur. Alt und Jung erfreuten sich an der begleitenden Rätselrally, die mit kniffligen Fragen die Reise durch die Geschichte Marcheggs noch spannender gestaltete.

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Nach gut zwei Stunden war es geschafft, und die SpaziergängerInnen konnten sich beim Buffet des Heimat- und Kulturvereins Marchegg stärken. Zum Abschluss der Veranstaltung wurden die GewinnerInnen der Rätselrally ermittelt. Alle drei gezogenen Personen wurden mit einem reich gefüllten Geschenkskorb gekürt.

Retz

Ausgehend vom historischen Hauptplatz machte sich eine 25-köpfige BesucherInnengruppe auf zur Stadtmauer. Stadtführer Robert Schimeck als profunder Kenner und Vermittler der Retzer Geschichte erzählte in eineinhalb Stunden alles Wissenswerte über Retz im Allgemeinen und die Stadtmauer im Besonderen und leistete so einen wesentlichen Beitrag zur einer gelungenen Veranstaltung.

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Waidhofen an der Thaya

Eine Interessentengruppe aus Waidhofen an der Thaya und auch aus der weiteren Umgebung kam gerne der Einladung nach, die historische Stadt bei einer kostenlosen Führung am Aktionstag Stadtmauer näher kennenzulernen. Ausgangspunkt der Frührungen war das historische und prachtvolle Rathaus der Stadtgemeinde Waidhofen an der Thaya.
Das Interesse und die Begeisterung der Gäste waren sehr groß. Nach einer umfassenden Führung durch Waidhofen an der Thaya mit allen Sehenswürdigkeiten und Highlights wurden die BesucherInnen von der erfahrenen Stadtführerin verabschiedet, und die Veranstaltung fand einen stimmungsvollen Ausklang.

Weitra

Der Stadtspaziergang mit dem Nachtwächter Ernest Zederbauer führte 35 Gäste ausgehend vom Rathaus durch das historische Stadtzentrum und entlang der Stadtmauer rund um Weitra.

Zwettl

Die Stadtführung ging zu allen 6 Zwettler Stadttürmen und durch die historische Innenstadt. Rund 40 Personen ließen sich vom engagierten Stadtführer Helmut Hahn in die Zwettler Stadtgeschichte entführen.

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Neben dem Stadtrundgang gab es für die Interessierten ein besonderes Highlight: Helmut Hahn organisierte die Besichtigung des bewohnten Passauerturmes, dessen Keller in früheren Zeiten als Gefängnis diente. So konnte die Gruppe hautnah spüren und entdecken, wie es wohl ist, in solch historischen Mauern zu leben.